Artikel im Darmstädter Frauenmagazin, "Mathilde", Januar/Februar 2010

Hochwebstuhl k

Paramentenstickerei - altes Handwerk im neuen Glanz

Kunst im Kirchenraum auf höchsten Niveau

Der Begriff Paramente stammt aus dem Lateinischen, bedeutet “den Tisch bereiten“ und bezeichnet alle Textilien, die im Gottesdienst oder allgemein in der Kirche eingesetzt werden. Paramentenstickerei vereint in sich künstlerisch, kreatives Schaffen und uraltes Handwerk. Sie erfordert Geduld, ein gutes Auge, sicheres Gespür für Form, Material und Farbgebung sowie Liebe zum Detail.

Die Textilwerkstatt am Elisabethenstift in Darmstadt stellt seit mehr als hundert Jahren künstlerisch gestaltete Textilien für den Kirchenraum her. Als Paramentenwerkstatt 1891 vom Elisabethenstift gegründet, standen im Mittelpunkt der Arbeiten zunächst Altarbehänge, sogenannte Antependien.

Heute sucht die Textilwerkstatt den Dialog mit der Gemeinde, dem Künstler und gegebenenfalls dem Architekten, um den gesamten Kirchenraum für die textile Gestaltung zu erschließen - wozu auch Stolen in den liturgischen Farben gehören. Die liturgischen Farben weisen auf die Zeiten und Feste des Kirchenjahres hin, wobei sie in der evangelischen

und katholischen Kirche teils unterschiedlich eingesetzt werden.Wenn eine Gemeinde ein Parament in Auftrag geben möchte, werden zunächst Techniken und Aufträge vorgeführt. Nach dem gleichen Konzept werden nach eingehender Beratung Wandgestaltungen, Raumobjekte und Bodenteppiche für öffentliche und private Auftraggeber gefertigt. 

Die künstlerischen Ideen werden mit Naturmaterialien als auch synthetischen Fasern umgesetzt. Die Charakteristik des Gewebes kommt durch die Kombination mit geeigneten Techniken, wie dem Nonnenstich, Bildweberei, Applikationen, Handtuften und experimenteller Techniken zur Geltung. Bis vor wenigen Jahren gab es noch Diakonissen, die teilweise im Feierabend (Ruhestand bei Diakonissen), das Rohmaterial zum Weben und Sticken in der Werkstatt sponnen, heute wird das Garn überwiegend gekauft und in der Textilwerkstatt in den verschiedenen Farbnuancen eingefärbt.

Die Textilwerkstatt am Elisabethenstift bildet in dreijähriger Ausbildung zur Handstickerin aus.

Die Bedeutung der Liturgischen Farben

Rot ist das Sinnbild für den Heiligen Geist,
Blut und Feuer. Es ist die Farbe der hohen
kirchlichen Feiertage wie Pfingsten, Palmsonntag
und Karfreitag.

Grün ist die Farbe für Sonntage im Jahreskreis
und Werktage, die kein Gedenktag sind.

Weiß ist die Farbe der höchsten Feiertage
Ostern und Weihnachten.

Violett ist die Farbe der Bußzeiten – die
Adventszeit vor Weihnachten und die Passionszeit vor Ostern.

Schwarz als Farbe der Trauer bei Beerdigungen
oder als zusätzliche Möglichkeit für den Karfreitag.

Text: aw

Fotos: privat

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